Weitere Baustelle

Ab sofort wird parallel gearbeitet. Nicht nur das alte Gehäuse der Heizung muss raus und das neue  rein, auch der Kabelbaum des Armaturenbretts muss selektiert, überarbeitet, isoliert und zusammen mit dem Armaturenbrett wieder eingebaut werden.
Ich genieße den nicht zu unterschätzenden Vorteil, auf einen großen Fundus mit Firebird-Teilen zurückgreifen zu können. Innerhalb der letzten 10 Jahre habe ich ca. fünf bis acht Fahrzeuge zerlegt und die Teile inventarisiert. Aus diesem Grund ist es für mich in der Regel auch recht einfach möglich, die Originalteile zurückzulegen und statt dessen mit Austauschteilen zu arbeiten. Auf diese Weise schaffe ich es gleichermaßen, im Sinne der Restauration die Originalteile zu erhalten und zusätzlich ein tolles Replica zu bauen.

Bewährt hat sich dieser Vorteil bereits bei der letzten Schraubersession am 18. Januar 2014: Ich habe aus einem Pool von drei Kabelbäumen des Armaturenbretts einen passenden ausgewählt. Der Kabelbaum stammt aus einem 1986er Pontiac Firebird V8 mit LG4-Motor, ist bis auf das Modelljahr also mit meinem ziemlich identisch.

Ausgebreiteter Ersatz-Kabelbaum
Ein Kabelbaum aus einem 86er Firebird V8 mit LG4-Motor wird wahrscheinlich als neue Basis dienen…

Leider ist der Zustand des Kabelbaums nicht unbedingt rosig – es handelt sich um den Teileträger, aus dem ich bereits den Sicherungskasten ausgebaut habe. Nun gilt es also, einen neuen zu verbauen und diverse Leitungen zu reparieren.

Beim Prüfen der verfügbaren Kabelbäume war mir nicht bewusst, dass ca. zwei Meter über meinem Kopf noch eine weitere potentielle Möglichkeit schlummert: Im passenden Armaturenbrett habe ich noch einen Kabelbaum aus einem 84er Firebird mit V6-Motor im Hochlager liegen – ob dieser sich hinsichtlich der Anschlüsse und dem Zustand noch besser eignet, werde ich beim nächsten Besuch der mysteriösen Halle herausfinden.

Den Kabelbaum zu prüfen ist eine recht mühsame Arbeit – nicht nur stichprobenartig, sondern Stecker für Stecker wird die Belegung und die Farben der Leitungen geprüft und verglichen.

Ausschnitt des Kabelbaums im originalen Armaturenbrett
Vor Einbau des Kabelbaums wird genau geprüft, in welchen Details sich der 82er und 86er Kabelbaum unterscheiden…

Interessante Details sind bei dieser Arbeit an jeder Ecke zu finden. So ist bei meinem 82er Modell z.B. ein Steckplatz für den Taktgeber des Blinkers im sog. Convenience Center vorgesehen – im nachfolgenden Foto ist dies der untere, linke Steckplatz mit der roten und lilafarbenen Leitung. Rechts daneben ist der Steckplatz des Taktgebers des Warnblinkers.

Bei dem 86er Kabelbaum bleibt dieser Steckplatz im Gegensatz leer – der Taktgeber ist mit einem Stecker befestigt und fliegt „frei“ unter der Lenksäule umher.

Anschlüsse des Convenience Centers
Kleines Beispiel: Beim 82er Kabelbaum sitzt der Taktgeber für den Blinker im Convenience Center (unten links auf dem Foto) – beim 86er Kabelbaum ist dieser Taktgeber frei verkabelt…

Es gibt einige Unterschiede zwischen den Kabelbäumen, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass das 86er Modell bereits über die neue, „weichere“ Mittelkonsole verfügte. Diese Unterschiede lassen sich aber alle relativ leicht beheben – oder entfallen, sollte der 84er Kabelbaum doch zum Einsatz kommen.

Sehr wichtig sind allerdings die beiden Verbindungsstecker auf der Beifahrerseite des Armaturenbretts: Diese verbinden das Armaturenbrett mit dem Kabelbaum des Motors. Hier sollte man peinlich genau auf die Belegung und die Farben der Leitungen achten, sonst spielen später z.B. die Instrumente verrückt.

Steckverbindungen des Armaturenbretts auf der Beifahrerseite
Über die beiden Stecker im Bild wird die Verbindung zum Motorkabelbaum hergestellt, die türkisfarbene Box beinhaltet einen Umrechner für das Tachosignal…

Neben den Checks habe ich auch eine neue Form der Konfektion von Kabelbäumen getestet. Bei modernen Fahrzeugen kommt ein Textilband zur Isolation und Bündelung zum Einsatz, und genau dieses Band werde ich auch im Rahmen meines Projekts verwenden. Auch wenn ich die Marderschutzrohre aus Kunststoff jahrelang gesammelt habe, wirklich gefallen tun sie mir nicht – und sind im Innenraum auch nicht notwendig.

Wie auf dem folgenden Bild zu sehen, ist die neue Lösung doch optisch deutlich attraktiver. Der Nachteil: Es können nicht „mal eben“ weitere Leitungen hinzugefügt werden, ohne die Isolation erneut aufzutrennen.

Mit Textilgewebeband neu isolierte Stelle des Kabelbaums
Statt den Marderschutzschläuchen aus Kunststoff werden die geprüften und fertiggestellten Kabelbäume mit Textilgewebeband umwickelt, um eine modernere Optik zu erzeugen…

Nach den Checks und Prüfungen wurde es dann auch nochmals handwerklich – die gesamte Heizungsanlage wurde ausgebaut. Ich hatte verdrängt, dass auch im Motorraum der Gebläsekasten entfernt werden muss, um das Gehäuse der Heizung im Innenraum zu tauschen.

Der Wärmetauscher, der in diesem Gehäuse sitzt, ist mit zwei Schlauchschellen mit den Kühlschläuchen im Motorraum verbunden. Ich rate dringend dazu, den Wärmetauscher spätestens beim Zusammenbau gegen ein Neuteil zu tauschen! Wem einmal der Wärmetauscher gerissen ist, weiß, wovon ich rede – Kühlflüssigkeit läuft schlagartig aus und bildet eine Pfütze auf dem Teppich des Fußraums des Beifahrers. Diesen „Swimming Pool“ möchte mit Sicherheit niemand in seinem Replica haben, zumal die Flecken nie wieder zu 100 % entfernt werden können.

Gehäuse der Heizung an der Firewall im Innenraum
Das alte Gehäuse der Heizung befindet sich noch an seinem Platz, verschraubt mit der Firewall…
Motorraum mit entferntem Gebläsekasten
Um das Gehäuse zu entfernen, muss vorher der Gebläsekasten im Motorraum entfernt werden – darunter sitzt eine der Befestigungsschrauben…

Im Zusammenhang mit den anderen Teilen habe ich dann auch den (kleinen) Kabelbaum der Klimaanlage entfernt. Natürlich braucht auch die neue Variante der Heizung elektrische Zuleitungen für den Lüfter, aber der Kabelbaum kann deutlich vereinfacht werden.

Innenraum mit demontiertem Gehäuse der Heizung
Nach entfernen des Gehäuses wirkt der Innenraum noch leerer – auch die relevanten Steckverbindungen und Unterdruckleitungen wurden entfernt…

Den nächsten Besuch in der mysteriösen Halle werde ich wohl der Elektrik widmen – ich werde prüfen, ob der 84er Kabelbaum eine weitere Alternative darstellt und mache mich im Fundus an Elektroschrott auf die Suche nach passenden Steckverbindungen für die diversen Schnittstellen im Kabelbaum, die für das Replica benötigt werden…