Corpus Delicti

Bekanntermaßen wird früher oder später alles gut – wenn man Zugriff auf einen Fundus hat (und sich ab und an etwas traut)!
Wie in Wie gewonnen, so zerronnen? und Eigene Dummheit ausführlich beschrieben, gab es ein paar Probleme mit der Lichtmaschine.

Gestern konnte ich diese lösen: In der alten, großen Lichtmaschine war bekanntermaßen die Wicklung defekt, im Austauschteil von meinem Freund James die Diodenleiste – ich habe kurzerhand aus beiden Aggregaten eines gemacht und es hat funktioniert: Der Trans Am läuft wieder!

Zwei Diodenbauteile aus zwei verschiedenen Lichtmaschinen - eines der Bauteile ist defekt, wie eine Messung mit dem Multimeter ergab.
Zwei Diodenbauteile aus zwei verschiedenen Lichtmaschinen – eines der Bauteile ist defekt, wie eine Messung mit dem Multimeter ergab.

Elspe steht damit eigentlich nichts mehr im Wege, doch zuvor muss der Trans Am noch eine ausführliche Probefahrt von min. einer Stunde hinter sich bringen…

Eigene Dummheit

Die Lichtmaschine wurde erneut ausgebaut, zerlegt und gereinigt – und ich bin immer wieder erstaunt, was man für Überraschungen entdeckt, wenn nur deutlich genau hinschaut!
Da die klackernden und mahlenden Geräusche bereits nichts gutes verhießen, habe ich am Montag Abend die Lichtmaschine auf dem Stellplatz meiner Wohnung ausgebaut. Schnell auf der Terrasse bequem gemacht und mit der Demontage begonnen, lag die geöffnete Lichtmaschine wenige Minuten später vor mir. Entdeckt habe ich insgesamt zwei Probleme, die zum Ausfall geführt haben müssen.

1. Problem: Die eigene Dummheit

Eine der Schrauben, die ich bei der ersten Demontage am Sonntag gelöst und wieder eingeschraubt habe, hatte sich komplett gelöst. Sie lag lose im Gehäuse der Lichtmaschine rum und hat die mahlenden Geräusche verursacht.

Verlorene Schraube im Gehäuse der Lichtmaschine
Diese isolierte Schraube befestigt den Kohlenhalter am Gehäuse – diese Schraube habe ich ganz offensichtlich nicht fest genug angezogen.

Doof, das ganze – und klar meine eigene Schuld. Ich denke aber nicht, dass diese Schraube großen Schaden angerichtet hat – es sind keine Einschlagspuren, Kratzspuren, etc. zu sehen. Viel interessanter ist meine Entdeckung an der Wicklung.

2. Problem: Der Vorschaden

Ich habe die am Sonntag angesprochene, fehlende Schraube gefunden! Sie hatte sich gelöst, die Wicklung durchschlagen und steckte nun zwischen Gehäuse und Rotor fest. Dies muss bereits vor vielen Monaten passiert sein und fällt damit außerhalb meines Verantwortungsbereiches. Die feststeckende Schraube aus der Wicklung habe ich entfernt und die deutlichen Beschädigungen der Wicklung wurden erkennbar.

Feststeckende Schraube in der Wicklung der Lichtmaschine
Die verloren geglaubte zweite Schraube habe ich durch Zufall in der Wicklung wiedergefunden – sie muss dort vor vielen Monaten (oder Jahren) eingeschlagen sein.
Sichtbare Schäden der Wicklung der Lima nach Entfernung der Schraube
Die Schäden an der Wicklung sind offensichtlich – auch ohne meinen Faux-Pas war die Lichtmaschine angeschlagen.

Eine erneute Montage der Lichtmaschine erfolgte nach Reinigung der Teile mit Schraubensicherungslack und entsprechender Sorgfalt.

Zusammengebaute Lichtmaschine ohne Rotor und vordere Gehäusehälfte
Alle Schrauben wurden bei der erneuten Montage mit Schraubensicherungslack festgezogen – leider ist nach wie vor kein Ladestrom mehr vorhanden.

Leider führte der abendliche Einsatz zu keinem großen Erfolg – die Lichtmaschine liefert nach wie vor keinen Ladestrom und ist augenscheinlich defekt. Es ist daher Zeit, sich Gedanken um einen Austausch zu machen: Da es (sehr) viele Varianten von Lichtmaschinen in den F-Bodies gibt, musste ich erstmal das verbaute Exemplar identifizieren. Dies ist grob über das Gehäuse möglich, im Detail über die eingestanzten Produktionsnummern. Letztere Variante ist mit Vorsicht zu verwenden bei generalüberholten Lichtmaschinen – hier wird sehr gerne das verbaut, was da ist!

Eingestanzte Typ- und Produktionsnummer auf dem Gehäuse der Lima
Es gibt über einen Dutzend verschiedene Lichtmaschine für die dritte Baureihe der F-Bodies. Die Produktionszahlen geben einen Anhaltspunkt über die verwendete Lichtmaschine.
Rückseite des Gehäuses der Lichtmaschine
Über das rückwärtige Gehäuse lässt sich der Typ der Lichtmaschine ebenfalls identifizieren, in dem Fall handelt es sich um eine Lima vom Typ 15si.

Eine neue Lichtmaschine mit 70 Ampere liegt bei ca. 150,- Euro. Aktuell verfügt mein Trans Am über V-Belts (einzelne Riemen pro Aggregat). Ich plane, in Zukunft auf Serpentinenriemen umzurüsten und eine größere Lichtmaschine wäre hinsichtlich der zu verbauenden Technik auch keine schlechte Anschaffung – daher mache ich mich gerade schlau, welche Alternativen für mich existieren.

Vermutlich greife ich auf den Fundus zurück, eventuell leihe ich mir auch bei meinem Freund James eine passende Lichtmaschine für einige Monate aus – wenn der Wagen für die Restauration stillgelegt werden sollte (Die Entscheidung steht noch aus) habe ich genug Zeit, mir eine finale Lösung auszudenken.

Wie gewonnen, so zerronnen?

Vor dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien habe ich mich noch eine Stunde mit dem Trans Am beschäftigen können – sofern die WM tatsächlich gewonnen wird, wäre eine Teilnahme am Autokorso doch schön…
Mein Trans Am hat aktuell bekanntlich seine Zicken, und die größten Probleme lagen in der Lichtmaschine und in den elektrischen Fensterhebern – siehe hierzu auch die Liste der Probleme.

Die Lima baute nicht genug Versorgungsspannung auf und bedurfte einer kleinen Überholung. Vermutet habe ich verschlissene Kohlen oder einen Defekt am Spannungswandler – ehe ich die komplette Einheit austausche, wollte ich doch einmal genauer nachsehen.

Das Problemkind auf der Werkbank - irgendwas will nicht so, wie es eigentlich soll.
Das Problemkind auf der Werkbank – irgendwas will nicht so, wie es eigentlich soll.

Ich habe die Lichtmaschine daher gestern ausgebaut und zerlegt. Parallel dazu entfernte ich eine weitere Lichtmaschine aus einem Motor aus dem Fundus, die als Referenz und potentiellen Ersatz auf Zeit dienen sollte. Leider habe ich keine Lichtmaschinen in der passenden Größe da, es muss also irgendwie auch so gehen.

Links die größere Lichtmaschine aus meinem Trans Am, rechts die kleinere aus dem Fundus.
Links die größere Lichtmaschine aus meinem Trans Am, rechts die kleinere aus dem Fundus.

Mein Verdacht hat sich nicht bestätigt: Die Kohlen sahen gut aus, doch was ist das? Eine der Schrauben fehlte – sowas habe ich auch noch nicht gesehen! Irgendjemand hat sich in der Vergangenheit die Arbeit gemacht, die Lichtmaschine zu öffnen und diese dann falsch wieder zusammengesetzt! :(

Nach der Demontage der Lichtmaschine sind die Kohlen, der Spannungsregler und andere Bestandteile im Gehäuse zu erkennen.
Nach der Demontage der Lichtmaschine sind die Kohlen, der Spannungsregler und andere Bestandteile im Gehäuse zu erkennen.

Aus der Ersatz-Lichtmaschine habe ich mir eine passende Schraube geliehen (Danke, James!), alle Komponenten grob gereinigt und die Lichtmaschine wieder zusammengesetzt. Ab ins Fahrzeug damit, die Batterie angeschlossen und gestartet: 15 Volt Bordspannung! Problem erkannt, Problem gebannt! :)

Die Fensterheber waren im Vergleich relativ einfach – ich hatte den Circuit Breaker im Sicherungskasten in Verdacht. Kurzer Griff in den Fundus, das Teil getauscht und beide Fensterheber erfüllen wieder ihre Pflicht! Die aufwendigste Arbeit an der Geschichte war die erneute Montage der Türverkleidung der Beifahrerseite und der Mittelkonsole – das Fahrzeug ist damit wieder vollständig und einsatzbereit! :)

Nach so vielen kleinen Erfolgen in der Werkstatt konnte es ja nur gut gehen im Maracana in Rio de Janeiro – und so kam es dann auch: Deutschland ist Fußballweltmeister 2014! :)

Am obligatorischen Autokorso habe ich dann natürlich stilgerecht mit dem Trans Am teilgenommen. Es wurde gehupt, gelacht und auslassend gefeiert – bis sich auf der letzten Runde die Lichtmaschine mit einem großen Knall nun vermutlich endgültig verabschiedet hat! Aus dem Bereich des Aggregats kommen sehr fiese Mahlgeräusche – naja, lieber hier zu Hause, als irgendwo am Ende der Welt… ;)

Mir war bisher nicht bewusst, dass auch die Fahrzeuge mit V8-Motor ihre Probleme mit der Haltbarkeit von Lichtmaschinen haben, kannte ich das bisher doch nur vom V6 – von daher sollte es früher oder später wohl also eh so kommen…

Heute Abend werde ich die Lichtmaschine ausbauen und öffnen – ich werde berichten, wie es weitergeht!